Gute Luft für Wiehler Schüler

Gute Luft für Wiehler Schüler

Pilotprojekt für hohe Luftqualität

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Klassenräume lüften nach Gefühl oder Schema F – das gehört in Wiehler Schulen der Vergangenheit an. Denn gemeinsam mit dem regionalen Energiedienstleister AggerEnergie hat die Stadt ein Web-basiertes System mit Mehrwert gestartet. Es zeigt in Klassenräumen anhand einer Warnlampe an, wann gelüftet werden sollte und wann die Fenster wieder geschlossen werden können. Auf diese Weise wird zielgerichtetes Lüften erreicht: für gesunde Raumluft und passgenauen Energieeinsatz. Zusätzlich kann so verhindert werden, dass Kinder unnötig frieren müssen, falls aus Angst vor Infektionen die Fenster ständig geöffnet bleiben. 

„Es ist wichtig, dass wir diesen Schritt jetzt gegangen sind“, freute sich Bürgermeister Ulrich Stücker bei der Vorstellung des Mess-Systems in der Sekundarschule Bielstein, natürlich mit Blick auf die Corona-Pandemie, aber auch darüber hinaus: „Denn gute Luft in Klassenräumen trägt zu einer motivierenden Lernatmosphäre bei – und gutes Raumklima kann vor allem durch gezieltes Lüften erreicht werden.“ Bei geöffneten Fenstern werden die Aerosole in der Raumluft, an denen Viren haften können, abtransportiert. „Lüften ist daher aktiver Gesundheitsschutz, zu dem mit Hilfe des Systems gleichzeitig praktizierter Klimaschutz tritt“, sagte der Bürgermeister. 

Denn je nachdem, wie gelüftet wird, kann eine zu große Menge Heizenergie verloren gehen – was aus Sicht des Klimaschutzes vermieden werden sollte. Das System funktioniert mit Hilfe von Multisensoren im Klassenzimmer, die den Kohlendioxid-Gehalt der Raumluft messen. Die CO2-Sättigung gilt als verlässlicher Indikator zur Bewertung der Luftqualität. Steigt der CO2-Gehalt über einen ungesunden Wert, leuchtet das Warnlicht an der Tafel-Stirnseite des Schulraums rot – Fenster auf!. Das Licht erlischt, wenn ausreichend gelüftet ist.  

Frank Röttger, Geschäftsführer der AggerEnergie, wies auf die Stärken des Systems hin, das „erweiterbar ohne Ende“ sei und dabei gar nicht mal so teuer. Die Sensoren registrieren nämlich auch Temperatur, Feuchte, Helligkeit und Anwesenheit im Raum. Hier liegt der Mehrwert, der unabhängig von Corona zum Tragen kommt – das System lässt sich nutzen, um den technischen Betrieb eines Schulgebäudes zu optimieren. „Das macht die Stadt ein Stück weit smarter“, so Röttger. „Wir sind froh, mit der Stadt Wiehl einen Partner gefunden zu haben, um mit dem System live zu gehen“, betonte er mit dem Hinweis darauf, dass auch andere Kommunen von den Erfahrungen profitieren könnten. 

Die Sensoren in den Klassenräumen senden ihre Daten per Funk im Hochfrequenzbereich an eine Internetplattform. So können die Werte Web-basiert ausgewertet und Schlüsse daraus gezogen werden. Der Zusatznutzen gegenüber einfachen CO2-Ampeln liegt auf der Hand. Sollte beispielsweise in einer Grundschule dauergelüftet werden, lässt sich das im System erkennen: Die CO2-Werte steigen kaum an, während die Raumtemperatur fällt. Die Konsequenz daraus könnte sein, in der Lehrerkonferenz entsprechende Handlungshinweise zu geben. Auch wenn Räume stärker aufgeheizt werden, als es der Sollwert vorgibt, weist das System darauf hin – und gibt so Anhaltspunkte zur genaueren Regulierung. Daher behält das System seinen Wert über die Dauer der Coronavirus-Pandemie hinaus. Dies zudem durch mögliche Zusatzfunktionen wie den „UseCase“: Der erkennt über die Sensoren Bewegungen im Haus, etwa nach 22:00 Uhr, und liefert so den Ansatz für ein smartes Gebäudeüberwachungssystem. 

Mit der Montage begonnen wurde während der Weihnachtsferien Ende 2020. Derzeit sind 86 Klassenräume in Wiehler Schulen mit der Sensortechnik und den Anzeigelampen ausgestattet. Komplett versorgt ist das Schulzentrum Bielstein mit Grund- und Sekundarschule. Das Gymnasium und die weiteren städtischen Grundschulen folgen, sobald die nächste Materiallieferung eintrifft. Geplant ist, bis Ende März 2021 das System in allen 200 Klassenräumen sämtlicher Schulen installiert zu haben. Anita Kallikat, Schulleiterin der Sekundarschule, dankte Stadt und AggerEnergie ausdrücklich, auch stellvertretend für die Wiehler Lehrerinnen und Lehrer, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler: „Dieses System bedeutet eine ganz, ganz große Erleichterung für uns alle.“ Und in ihrer Schule mit MINT-Schwerpunkt liefert es zudem noch praktischen Unterrichtsstoff. 

Ein nächster Schritt zur Energieeinsparung bei der Stadt Wiehl unter Nutzung des Systems könnte darin bestehen, in den Klassenräumen eine intelligente Heizungssteuerung nachzurüsten. Mit deren Hilfe besteht die Möglichkeit, rund 20 Prozent weniger Erdgas zu verbrauchen und damit einen weiteren deutlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.


18.03.2021